Honorarkraft und die Selbstständigkeit

Du hast gerade als Honorarkraft in einem Nachhilfeinstitut angefangen, weißt aber nicht was das bedeutet? Der folgende Artikel richtet sich an Studierende und Menschen die vor haben als Honorarkraft im Rahmen eines Studiums zu arbeiten.

Der erste Fehler ist zu denken, dass du eine 450€ Kraft bist. Das bist du nicht! Du bist Selbstständig. Was heißt das? Ganz einfach gesagt, für dich gelten andere Rahmenbedingungen. Die bessere Frage wäre, was musst du jetzt beachten.

Es gibt Regeln für Versicherungen, BAföG und Steuern. Die Frage ist ob das für dich überhaupt relevant ist. 

Krankenversicherungen und das Spiel mit der Familienversicherung

Im Prinzip seid Ihr der gesetzlichen Krankenversicherung eurer Eltern kostenfrei mitversichert, sofern Ihr kein oder nur ein geringes eigenes Einkommen habt. Sobald ihr aber zu viel verdient, fällt ihr aus der Familienversicherung heraus und müsst euch selbst versichern. Zum Einkommen zählen zum Beispiel auch Mieteinnahmen oder Zinsen. Ihr und eure Eltern müsst daher auch bei der Geldanlage für euch auf gewisse Einkommensgrenzen achten.

Die Einkommensgrenze für die Familienversicherung liegt 2020 bei 455 Euro im Monat. Es handelt sich hierbei um Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts (§ 16 SGB IV). Deshalb können regulär Angestellte von ihren Bruttoeinnahmen noch ihre Werbungskosten oder den entsprechenden Pauschbetrag abziehen. Regulär Angestellte sind wir nicht, also fällt das erstmal weg. Die Pauschalbeträge sind für uns an dieser Steller leider nicht relevant. 

Einfacher ausgedrückt, wenn du dich nicht für ca 110€ im Monat selbst freiwillig versichern willst, solltest du nicht mehr als den Freibetrag i.H.v. 455 Euro im Monat verdienen.

Du bist über 25 oder verdienst mehr als die Freigrenze. Willkommen im Club. Es wird Zeit jeden Monat etwa 110€ (je nach Krankenversicherung) zu zahlen. Welche neuen Regeln gibt es? Wie viel du verdienst ist jetzt ‚relativ‘ egal. Wie viel Zeit du mit der Arbeit neben der Uni verbringst nicht. 20 Stunden die Woche sind dein Limit, oder du fliegst auch aus der studentischen Versicherung. 

Solltest du nicht sicher über die aktuellen Zahlen sein, FRAG DEINE KRANKENKASSE! Die rennen dir nicht hinterher und du solltest dich selbst darum kümmern in den Freigrenzen zu bleiben. Im schlimmsten Fall darfst du für die vergangenen Monate Nachzahlen und das trifft dich härter als du denkst.

BAföG und das Spiel mit dem Amt

Hier gibt es einiges zu beachten, dass alleine für das BAföG wichtig zu wissen ist. Bspw. du wohnst bei deinen Eltern und bekommst BAföG, dann solltest du Wohngeld beantragen, denn solange du bei deinen Eltern wohnst, werden die Wohnkosten der Eltern nicht berücksichtigt.

Viel wichtiger ist aber die Info wie viel du verdienen darfst. Für dei­nen BA­föG-Ne­ben­ver­dienst hast du ei­nen Frei­be­trag von 5.400 € im Jahr. Dein BA­föG-Ne­ben­ver­dienst ist not­wen­dig– denn selbst der BA­föG-Höchst­satz al­lei­ne reicht sel­ten zum Le­ben aus. Das macht also 450€ im Monat wenn du BAföG kassieren willst.

Was gilt es zu beachten. BAföG kassieren und Arbeiten, aber die Uni vernachlässigen? Kannst du vergessen. Du bekommst schon nach dem 4. Semester kein BAföG mehr, wenn du nicht die entsprechenden Studienleistungen erbringst. Der Leistungsnachweis ist daher das A und O für die Folgeleistung vom BAföG-Amt. 

Kurz: Unter 450€ im Monat, der Leistungsnachweis und du bist sicher!

Du bist 25 und bekommst kein BAföG mehr? Deine neuen Grenzen bestehen aus den vorher erwähnten 20 Stunden für die studentische Versicherung und der aktuelle Steuerfreigrenze i.H.v. 9.408 Euro pro Jahr. (2020)  Das sind ganze 784€ im Monat oder 80 Stunden á 9,80 Euro. Oder 65 1/3 Stunden á 12€. oder 39,2 Stunden á 20€. Wie viel Stunden auch immer du arbeitest oder wie viel du dafür verdienst, solange du die Rahmenbedingung kennst und dein Ziel vor Augen hast, kannst du dich beruhigt schlafen legen. Es wäre vielleicht an der Zeit Steuern zu zahlen, Geld an die Seite zu legen und das Studium mit den nötigen Reserven fortzusetzten.

Sollte dich die Arbeit auffressen oder das spätere Fortsetzen keine Option sein, hilft vielleicht nur noch ein Studienkredit.

Du bist über 25 und bekommst kein BAföG? Du bist Faul und lebst nur von dem Geld deiner Eltern. Gib’s doch einfach auf und Fang an richtig zu arbeiten anstatt zu studieren. Das scheint ja sowieso nichts für dich zu sein.

-Personen in meinem Umfeld

Ja, solche Menschen gibt und die haben keine Ahnung was hinter deiner Geschichte steckt. Ob du krank warst, deine Eltern dich nicht unterstützen oder andere Schicksalsschläge Ausschlag für deine Momentane Situation gegeben haben. Du lebst für dich und nicht für die oberflächliche Meinung irgendwelcher Tims und Lisas, die nach dem Abi erstmal nach Australien fliegen und dir hinterher von Ihrer „life-changing experience“ Berichten und auf Erwachsen machen. Nicht jeder bekommt alles in die Schuhe gelegt, deshalb solidarisch bleiben und ruhig und gelassen weiter machen. 

Ich selbst habe so ziemlich jede erdenkliche Phase die hier beschrieben wurde durchlaufen und kann nur von meinen Erfahrungen berichten. Es hilft motiviert zu bleiben und Ideen zu sammeln, um nicht auf die Nase zu fliegen. So ist zum Beispiel nebenbei diese Seite entstanden. Man muss nicht immer nur einstecken, wenn man vorausschauend plant und am Ball bleibt.

It doesnt matter how slow you go as long as you dont stop.

In diesem Sinne, viel Erfolg bei der großen Bürokratieschlacht.

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